Barrio Antifascista Calling

April 2016.

In diesem Jahr wird es am ersten Mai kein Barrio Antifascista im Carlo Giuliani Park in Berlin Kreuzberg geben. Im letzten Jahr haben wir durch die „Stille, die in den Ohren schreit“ gegen eine sinnentleerte Biermeile, von der wir kein Teil sein wollen, protestiert. Zum kommenden ersten Mai sagen wir unsere Arbeit komplett ab.

Diese Absage fällt uns schwer, denn wir haben das Barrio Antifascista gerne organisiert und finden nach wie vor, das wir einen linken, unkommerziellen und solidarischen Space, gerade am ersten Mai in Kreuzberg dringend brauchen. Ein gemeinsamer Ort, an dem sich verschiedenste Menschen treffen und austauschen können, ein Ort an dem wir laut das sagen, was wir zu sagen haben. Ein Ort, der das andere, das rebellische Berlin zum Ausdruck bringt. Ein gemeinsamer Ort von und für Aktivist*innen für vor und nach den Demonstrationen.

Unser Entschluss, diesen Ort nicht noch einmal zu öffnen, ist vielschichtig. Die Stimmung, die wir uns für ein Barrio Antifascista wünschen, droht in der Masse und Belanglosigkeit eines unpolitischen Strassenfestes unterzugehen und das, was wir zu sagen haben, droht in der Unerträglichkeit des Mainstreams zu versinken.

Die Entwicklung, die das MyFest in den letzten Jahren vollzogen hat,
hat für uns nichts, aber auch gar nichts mit einem Anwohner*innen Fest zu tun, noch weniger mit politischer Artikulation, am wenigsten mit dem Ersten Mai als linkem, rebellischem Protesttag. Dieses Strassenfest hat auch nichts mit dem Kreuzberg zu tun, das wir uns vorstellen – es ist vielmehr das Gegenteil von dem, wie wir uns die Stadt wünschen. Es ist ein trauriger Ausdruck dessen, was aus der Stadt geworden ist! Eine Stadt die alle alternativen Kultur- und Lebensentwürfe erfolgreich bekämpft und zerstört hat, ein Ort an dem das Verwertungs- und Kontrollsystem reibungslos funktioniert, in dem alles vermarktet und verkauft wird, was sich irgendwie zu schnellem Geld machen lässt. Eine Stadt für die, die sie sich (noch) leisten können.

Das wir bei diesem Spiel nicht mit von der Partie sein wollen, erklärt sich von selbst. Das es in drei Jahren Barrio Antifascista gelungen ist, einen Ort zu schaffen, an dem eine solidarische Stimmung gelebt wurde und sich ein Raum für radikale kulturelle und politische Artikulation geöffnet hat, ist das Positive und die Inspiration, die wir für das Jahr 2017 mitnehmen wollen.
Trotzdem bleibt unser Resumee, dass diese Idee bei der rasanten Entwicklung um das MyFest in diesem Jahr nicht mehr umgesetzt werden kann.

Wir wissen, das viele Anwohner*innen, Freund*innen und Genoss*innen schon im letzten Jahr einen gemeinsamen Freiraum schmerzlich vermisst haben. Uns geht es genau so und auch wir wünschen uns einen gemeinsamen autonomen und linken Ort, der für Subkultur und politische Statements offen ist.
Diesen neu zu erfinden und zu gestalten, wird die Herausforderung für uns alle im nächsten Jahr sein.

Doch es gibt noch weitere Gründe, warum wir diese Absage formulieren: Als Barrio Antifascista haben wir uns im letzen Jahr an der Organisation eines politischen Konzertes auf dem Oranienplatz beteiligt. Ein Bündnis vieler Gruppen hat an diesem Tag gegen die erneute Verschärfung des Asylrechts demonstriert. Als starken Ausdruck des Ganzen gab es eine Kundgebung mit vielen Redebeiträgen, diversen Bands und 10.000 Demonstrierenden. Wir haben also genau das gemacht, was wir am ersten Mai auch machen, nur mit dem Unterschied, das Polizei, Bezirk und Ordnungsamt alles andere als glücklich über unsere Arbeit waren. Den ganzen Tag über gab es Schikanen und Versuche von Seiten der Polizei unsere Arbeit zu behindern. Dem Anmelder der Veranstaltung werden jetzt diverse Verstösse gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen, unter anderem wegen des Aufstellens von Dixie-Toiletten und des Aufbaus einer Crew-Küche, sowie Tischen und Bänken im Backstagebereich. Nun erhebt das Ordnungsamt eine Geldstrafe von fünfhundert Euro wegen „Caterings ohne Genehmigung“. Es ist dasselbe Ordnungsamt, dieselbe Bürgermeisterin, dieselbe Polizeidirektion die zum Myfest einlädt und sich freuen würde, wenn wir zur Imagepflege etwas linke Folklore darbieten würden. Nix Da!

Wir fordern die sofortige Einstellung aller Verfahren gegen die Anmelder des Konzertes vom 18.04.2015!

Die Vertreter von Polizei, Senat und Ordnungsamt, die sich jetzt die Rettung des MyFests auf die Fahnen schreiben sind dieselben, die verantwortlich sind für die Umwandlung eines ganzen Kiezes im Friedrichshain in ein Gefahrengebiet, sind dieselben, die mit aller Härte versuchen die letzten selbstverwalteten Strukturen in dieser Stadt zu zerstören und zu stressen wo es nur geht.

Die vielbeschworene „Repolitisierung“ des Myfests ist lachhaft und nichts mehr als ein taktischer Schachzug um die Genehmigung als politische Veranstaltung zu erhalten. Politische Artikulation ist aber an allen anderen Tagen in diesem Kiez nicht gewünscht! Proteste gegen Gentrifizierung, Rassismus, polizeiliche Willkür etc. werden nach wie vor kriminalisiert und mit der Härte von Knüppeln und Gesetzen verboten wie u.a. die Erfahrung vom 18.04.2015 zeigt.

Unser Kiez braucht weder ein pseudopolitisches Massenbesäufnis, noch mehr Konsum, Ignoranz und Selbstzufriedenheit. Auch keinen zur Show gestellten debilen Mainstream im Ausnahmezustand – das erleben wir schon die restlichen 364 Tage im Jahr auf dem Schicki-Micki-Öko-Bio-Catwalk oder der Bierbike-Rennstrecke vor unserer Haustür.
Unser Kiez braucht Kollektivität, Nachbarschaft und Solidarität. Wir brauchen Versammlungen um die alltäglichen Belange zu besprechen, unkommerzielle Orte um zusammen zu kommen, Demonstrationen und alternative Artikulation. Unser Kiez braucht Freiheit und Respekt!

In den Wochen nach dem ersten Mai, wenn die Berge aus Plasikmüll und Bierflaschen beseitigt sind, rechnen wir mit der polizeilichen Räumung des Kiezladens M99 in der Manteuffelstrasse. Wir solidarisieren uns mit unserem Nachbarn HG, der dort seinen Laden seit über 30 Jahren betreibt. Wir fordern die sofortige Einstellung der Räumungsvorbereitungen und die Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Wir grüssen die räumungsbedrohte Friedelstrasse 54 in Neukölln und den letzten Kilometer Anarchie in Friedrichshain!

Wir unterstützen die Idee eines selbstorganisierten, politischen und unkommerziellen Kiezfestes im nächsten Jahr!

Wir grüssen den Revolutionären ersten Mai auf der ganzen Welt!

Wir grüssen die antifaschistischen Blockaden in Schwerin, in Plauen, Stuttgart und Berlin!

Wir Grüssen die Nuit-Debout-Proteste in Frankreich!

Unsere Solidarität gilt den Geflüchteten die an Europas Grenzen festsitzen! Wir wollen Euch willkommen heissen und fordern sichere Wege und einen würdigen Aufenthalt hier in unserer Stadt!

Hasta Siempre!

Barrio Antifascista, im April 2016
Berlin Kreuzberg.

Wir sehen uns auf der revolutionären ersten Mai-Demonstration um 18 Uhr auf dem Oranienplatz – kommt zum „…Für Alle Block“ und lasst uns zusammen für eine ganz andere Welt demonstrieren!

Barrio Antifascista Berlin Kreuzberg erster mai 2016

BARRIO ANTIFASCISTA – Carlo Giuliani Park – 2015

Magenta verschlief den ganzen nächsten Morgen, und als sie aufwachte, drehten sich die Gedanken immer noch endlos in ihrem Schädel und ließen sie nicht mehr los. Sie frühstückte nichts ausser Kaffee, drückte sich die Kopfhörer in die Ohren und verließ das Haus mit selbstzerstörerischem Dezibel Geknüppel auf den Trommelfellen, um ziellos durch die Stadt zu laufen. Sie wählte Cyans Nummer, aber nur der Anrufbeantworter klickte sich ein: „Hey Cyan, mir geht’s beschissen, ich brauch heute jemanden zum Reden, und….“ „Hey Magenta, bist du das?“ Cyan hatte den Hörer abgenommen, wie immer unter Strom, redete gegen ihre Aussichtslosigkeit an, machte blöde Witze um sie aufzuheitern und zog ihr sogenanntes Notprogramm auf: „Alles klar, ich komm vorbei!“

Als Cyan dann vor ihrer Tür stand, einen riesigen Hut mit breiter Krempe und Schleier auf dem Kopf, das dazugehörige regenbogenfarbene Kleid spannte ein Jahrhunderte altes Zelt über den Boden. „Tränen im Regen sind Verschwendung!“ hatte sie zur Begrüssung gesagt, „Wir müssen heute die Regierung stürzen!“ Dann hatte sie ihr ein ein ähnliches Kleid samt Hut übergestülpt, und sie hinter sich her gezogen. Unterwegs erklärte sie ihr, das es nicht immer nur darum gehen kann, abzuwarten bis der Zustand eintritt, auf den alle warten, dieser Moment an dem alle Fragezeichen ausgeräumt sind. „Das Warten wird dich immer lähmen, weil dir die Unsicherheit die Kraft zum Handeln raubt. Dein Leben bleibt ein Stück Blei, solange sich das nicht ändert…“

„Und wie, meine Königin?“ hatte Magenta zynisch gefragt… Dann hatte sie Cyan in ein Café namens Kranzler Eck am Kurfürstendamm geschleppt, das angefüllt war vom Tuscheln geschwätziger Rentner_innen und dem hundertfachen Klappern benutzter Kaffeetassen. Magenta wurde an einen Tisch gesetzt bevor Cyan auf den selbigen gestiegen war und quer durch die Kaffeekränzchen geschrien hatte: „Meine Damen und Herren, können sie bitte für einen Augenblick ruhig sein und aufhören zu sprechen!“ Augenblicklich waren sämtliche Gespräche verstummt und es wurde mucksmäuschenstill. Alle hatten auf Cyan in ihrem grellen Kleid gestarrt, wie auf ein Krebsgeschwür, einen mutierten Fremdkörper mitten in ihrer Gesellschaft, eine Anmaßung in der öffentlichen Ordnung.

Alle hatten erwartet, das sie nun etwas sagen würde, unruhig raschelten die verknitterten Füsse unter den Tischen und das glänzende Geschirr klimperte nervös… die Stille in der unerfüllten Erwartungshaltung baute sich auf wie ein riesiger Heissluftballon, der bedrohlich grösser und grösser wurde. Auch Magenta hatte diesen Moment in unangenehmer Erinnerung, war auf ihrem Stuhl hin und her gerutscht und sich nichts sehnlicher gewünscht, als dass diese undefinierte Stille endlich vorbei sein sollte. Dann, nach einer zweistündigen Minute, war Cyan mit einem „Vielen Dank!“ wieder vom Tisch gestiegen, und hatte Magenta hinter sich her zum Ausgang gezogen. „Na!?“ hatte sie Magenta erwartungsvoll angesehen, „Hast du gespürt wie laut das Nichts in den Ohren schreit?“ – und Magenta hatte ihr einen Kuss dafür gegeben.

Barrio Antifascista 2015 -
Reclaim your park
Ein Labor der aufständischen Phantasie
Ein Ort der wunderschönen Wut

Du bist Deine eigene Bühne
Du bist Deine eigene Revolution
Du bist Deine eigene Intervention
Du bist Deine eigene Farbe

Dieses Jahr:
kein
Spektakel
kein
Konsum
keine
Bar
keine
Bühne

Reclaim your park!

**************

Barrio Antifascista 2015 -
Reclaim your park
A place for beautiful trouble,
A laboratory for insurrectionary imagination

You are your own stage
You are your own revolution
You are your own intervention
You are your own colour

This year:
No
spectacle
No
consumism
No
Bar
No
stage

Reclaim your park!

Barrio Antifascista Plakat berlin kreuzberg 1. Mai 2015

Barrio Antifascista 2014

Ein Monat vor dem ersten Mai – höchste Zeit dass wir mit dem diesjährigen Line Up für das Barrio Antifaschista um die Ecke biegen:

Here we go:

Wir freuen uns besonders, in diesem Jahr unsere antifaschistischen Genossen von Moskow Death Brigade und What We Feel aus Moskau im Barrio begrüssen zu können.
Beide Bands und ihre Freund_Innen kämpfen seit Jahren aktiv auf der Strasse und mit ihrer kulturellen Arbeit gegen Neo-Nazis in Russland.
Ihre Tour ist Teil einer Öffentichkeits- und Spendenkampagne für die Angehörigen von Ivan „Vanya“ Khuturoskoy.
Ivan wurde 2009 im Treppenhaus zu seiner Wohnung von einem Neo-Nazi erschossen – er war Punkrocker, Skinhead, aktiver Antifaschist und Teil der WWF Crew.
Wir fühlen uns den Freund_Innen von Ivan eng verbunden, und sie in ihrem Engagement zu unterstützen ist für uns gelebte Solidarität und Sinn
und Zweck eines Ortes wie dem Barrio Antifascista.

Einige griechische Genoss_Innen aus der Stadt Perama werden uns von ihrem Kampf gegen sklavenartige
Arbeitsverhältnisse in ihrer Stadt, die eine Arbeitslosenquote von 90% hat und von dem Aufbau
eines selbstverwalteten Arbeitslosenzentrums berichten.

Mit Fil begrüssen wir einen altbekannten, aber immer wieder urkomischen und kurzweiligen
Freak, der mit dem Besten aus diversen Jahren Polit Comedy am Start ist. Den Abend abrunden werden unsere FreundInnen und Genoss_Innen Lena Stöhrfaktor,
Tapete und Guts Pie Earshot, die sich erst kürzlich zum „Outsourced Underground“  zusammengefunden haben. 

Nachmittags werden uns ausserdem Riva mit ein paar freshen aber auch legendären Tracks aus Anarchist Academy 
Zeiten unterhalten, der Insektologe Inox Kapell wird die Fauna des Carlo Giuliani Parks unter die Lupe
nehmen und freut sich über Eure Begleitung.
Wir sind gespannt!

Wir wollen auch dieses Jahr wieder einen Freiraum mit radikalem linken
Kulturprogramm schaffen. 
Es geht uns dabei aber nicht darum, ein tagesfüllendes Bespassungsprogramm
anzubieten, sondern einen Raum zu schaffen, der offen ist für Kommunikation und entspanntes, respektvolles
Miteinander, einen Ort, der zum Verweilen einlädt, zum Diskutieren, sich Informieren, lange nicht gesehene
GenossInnen wiedertreffen. Kein Raum des frontalen Konsums, sonder ein Ort für Alle, die sich davon angesprochen
fühlen und viel mehr als Bier und Mukke wollen. 
Das Barrio sind wir alle und es lebt davon, dass Ihr es nutzt und mitgestaltet!  

In der Zeit zwischen 18 und 21 Uhr passiert bei uns an der Bühne nix! Wir rufen Euch alle dazu auf, Euch an der revolutionären 1. Mai zu beteiligen!

Am 1. Mai – vor und nach der Revolutionären 1. Mai Demo – BARRIO ANTIFASCISTA Open Air – ab 14 Uhr im Carlo Giuliani Park!
14 Uhr – DJ VAGA *mestizo djset aus berlin
15 Uhr – RIVA *anarchist scademy
16 Uhr – FIL THE SCHRILL *berlins finest comedy
17 Uhr – DJ SPONTI MANIFESTANTI *kiezbeatz xberg
18 Uhr – REVOLUTIONÄRE 1.MAI DEMO *lausitzer platz
21 Uhr – MOSCOW DEATH BRIGADE *antifascist hip-hop from moskow
22 Uhr – WHAT WE FEEL *radical antifascist hardcore from moskow
23 Uhr – OUTSOURCED UNDERGROUND *lena störfaktor & tapete vs. guts pie earshot

15 & 16:30 Uhr – INOX KAPELL – Insektoide Exkursion im Carlo Giuliani Park

und natürlich wie immer: Kinderspace der Freien Schule Kreuzberg, Redebeiträge, Infotische, Kistenklettern und die Solibar.

Der Kampf um Befreiung ist international. Wir grüssen den revolutionären ersten Mai auf der ganzen Welt und Alle, die täglich für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung kämpfen!

Barrio Antifascista im April 2014

Barrio Antifascista 1. Mai berlin Kreuzberg

V wie Verfassungsschutz

Viele, Viele Grüsse an das nö theater aus Köln!!! der Abend gestern im SO36 war klasse!

Ein restlos ausverkauftes SO36, ein klasse Publikum und ein stakes Stück auf der Bühne!! Für uns war es toll, den Abend veranstaltet zu haben – Dicker Dank geht raus, an alle die geholfen haben ihn möglich zu machen!

der Fotograf Christian Ditsch hat tolle Fotos von der Show gemacht:
FOTOS

Ihr hört mal was von uns, und das lange vor dem ersten Mai! Zusammen mit der Antifaschistischen Linken Berlin veranstalten wir das nö theater aus Köln mit ihrem Stück V wie Verfassungsschutz. Das Theater Stück wird am 05.12.2013 im kreuzberger SO36 aufgeführt!

Der Vorverkauf beginnt am 01. November und die Tickets gibt es bei Red Stuff , in der Buchhandlung Schwarze Risse oder im Disorder Rebel Store.

disorder rebel store barrio antifascista berlin kreuzberg

disorder rebel store barrio antifascista berlin kreuzberg

Theaterstück / Deutsch

Wer ist eigentlich dieser „Verfassungsschutz“, was tut er und brauchen wir ihn überhaupt? Laut Angaben des Verfassungsschutzes beantworten drei Viertel der deutschen Bundesbürger diese Frage mit „Ja.“. Das nö-theater Köln stellt diesem jedoch ein klares „NÖ!“ entgegen. Auf Basis intensiver Interviews, Beobachtungen und Recherchen entwickelten sie das politische Satirestück „V wie Verfassungsschutz“. Es werden die Verstrickungen des deutschen Inlandsgeheimdienstes mit der NSU beleuchtet, die „fünf peinlichsten Fälle für den Verfassungsschutz“ neben den Pannen mit prostitutionsähnlichen V-Mann-Praktiken inszeniert. Dazwischen tanzt fröhlich Leo Lupix, das Maskottchen des Verfassungsschutzes. Die Kölner Theatertruppe hebt für uns den Zeigefinger und sagt: V wie… Vertuschung, V wie… Verzweiflung – V wie… Versagen.

Eine hohe Wand beklebt mit Zeitungen. Gefühlt aus jeder zweiten Schlagzeile plärren den Zuschauer die Worte „NSU“ und „Verfassungsschutz“ an. Schwarze Leuchtsignale eines Skandals. Die Wucht der Balken (hier ist das Wort „Schlagzeile“ wörtlich zu nehmen) hat offenbar auch die drei schwarz gekleideten Darsteller Talke Blaser, Asta Nechajute und Felix Höfner im Würgegriff. Wer ein Stück über den Verfassungsschutz erarbeitet, muss mit dem Recherche-Overkill rechnen: Suchmaschinen, Zeitungen, Fernsehen, Hörfunk, Bücher – die Medien quollen und quellen über von Infos und Meinungen zu den Versäumnissen des Verfassungsschutzes im Zusammenhang mit der rechtsradikalen Mordserie. Der junge Regisseur Janosch Roloff, der gerade seine Schauspielausbildung an der Theaterakademie beendet hat, macht in seiner dritten Inszenierung „V wie Verfassungsschutz“ aus der Überforderung eine Tugend und lässt das Schauspielertrio die Orientierungslosigkeit im Infodschungel gleich mitspielen.

Nichtsdestotrotz verirrt sich die Produktion nie im Dickicht des Materials. Da wird ein Anwerbeversuch wie in einer Zeitschleife immer wieder durchgespielt; die Beziehung zwischen V-Mann und Führungsoffizier berührt die Intimitätsgrenze; dass die ganze V-Mann-Unterwanderung letztlich aber auch den Terror mitfinanziert, ob nun von rechts oder links, wird dabei auch deutlich, natürlich fehlen auch nicht die Stammtischparolen in der Kneipe – und zu allem gehören selbstverständlich die klassischen Outfits von Bomberjacke über Trenchcoat bis zum biederen Bürokratenanzug. Es sind die bekannten Verfassungsschutztopoi – doch wie kommt man einer Behörde nah, deren primäre Aufgabe die eigene Unsichtbarkeit ist? Roloff und seine Truppe setzen die angelesenen Infos mit unseren vom Kino überformten romantischen Geheimdienstbildern in Beziehung und jonglieren lustvoll damit. Dabei wird auch klar, dass es einen tieferen Zusammenhang zwischen V-Mann und Theaterschauspieler gibt: Rollenspiel, multiple Identität und Verkleidungslust sind hier wie da anzutreffen.

Der Ton ist zwar immer ironisch-verspielt, selbst bei der Aufzählung der großen Skandale vom Schmücker-Mord bis zum Celler Loch, doch nie geht dabei das ernste Substrat dieser Groteske verloren. Es bleibt eine scharfe politische Kritik mit theatralen Mitteln, allerdings in einer komödiantischen Verkleidung. Verblüffend ist vor allem die bis in kleinste Gesten durchgeformte Haltung der drei Darsteller, die alle an der Theaterakademie studieren. Am Schluss allerdings suppt das Pathos kräftig über die Rampe, wenn die Morde der NSU und die Schauplätze, die die Truppe besucht hat, beschrieben werden. Hier wird der ganz dicke Pinsel geschwungen (oder sind die Tränen der Darsteller auch Ironie?). Nichtsdestotrotz ist „V wie Verfassungsschutz“ nach dem schon beachtlichen Dokustück „Der Vorgang Oury Jalloh“ Roloffs bisher beste Inszenierung, die jetzt schon Lust auf mehr macht.

See Ya there!!!

01.05.2013 – eine Woche später

Eine Woche nach dem ganzen Wirbel um den ersten Mai melden wir uns mit einem dicken, fetten und herzlichem THANK YOU ALL zurück auf Sendung! Thank you an die Theken Crew, die die Soli Bar grossartig gerockt hat, Thank you Pappsatt, Thank you an alle Bands und KünstlerInnen die aufgetreten sind, Thank you an die Infotische und die Vokü, die Kaffe und Kuchen Stände, Thank you Nachbarschaftsgarten, Rauchhaus und Kinderbauernhof, Thank you an die Techniker*innen, Thank you Freie Schule für den Kinderspace, Thank you an die vielen fleissigen Hände und ganz doll Thank you an Alle die dabei waren, und die angenehme Stimmung ausgemacht haben.

Das war das dritte Jahr, in dem wir das Barrio Antifascista im Carlo Giuliani Park organisiert haben, und das siebte Jahr, in dem wir das kulturelle Programm vor und nach der revolutionären ersten Mai Demo gestaltet haben. Wir sind, trotz enorm vieler Anstrengungen und einem fetten Batzen Arbeit guter Dinge, was dieses Projekt betrifft. Wir empfinden die gesamte Stimmung im Park als angenehm und als tatsächliche Alternative zu einem unpolitischen und sinnfreien Spektakel. Das es uns bei der Durchführung und Planung genau darum geht, haben wir schon mehrmals beschrieben, und auch dieses Jahr ist unser Resümee durchaus positiv! Wir freuen uns das es einen linken, unkommerziellen Ort gibt, den wir am ersten Mai in Kreuzberg lange vermisst haben, in dem es möglich ist Politik und Kultur zu verbinden, beisammen zu sein und eine Alternative zu den bestehenden Verhältnissen zu demonstrieren!

So Weit erstmal.
Barrio Antifascista Crew, 08. Mai 2013

Carlo Giuliani Park Barrio Antifascista Berlin Kreuzberg
Barrio Antifascista Berlin Kreuzberg
Barrio Antifascista 2013 Berlin Kreuzberg
Ahne Barrio Antifascista berlin Kreuzberg
Barrio Antifascista Berlin Kreuzberg
Barrio Antifascista Berlin Kreuzberg
barrio antifascista berlin kreuzberg
Barrio Antifascista Berlin Kreuzberg
Carlo Giuliani Park Barrio Antifascista

In All den Jahren haben folgende KünstlerInnen das Barrio Antifascista mit Ihren Auftritten unterstützt. Alle haben dabei auf ihre Gage verzichtet und wir finden das eine bemerkenswerte Liste zusammen gekommen ist!!! Danke Euch allen nochmals:

+ The Movement
+ Cartouche
+ Fermin Muguruza
+ La Gale
+ Ahne
+ YOK
+ DrowningDog
+ Mono und Nikitaman
+ Dj Eule
+ Dj Shapur
+ Fil und Sharkey
+ Banda Bassotti
+ Guts Pie Earshot
+ Keny Arkana
+ La Resistencia
+ Microphone Mafia
+ Chaoze One
+ Connection Musical
+ Dota und die Stadtpiraten
+ KOP
+ Tapete andthe crying Wolf
+ Detrend CityRockers
+ Irie Revoltes
+ 4 Xsample
+ Red Star Soundsystem
+ DJ Vega, Djane Alora O. Dj Seven